Schandtaten I

Langsam aber sicher hatte ich mich an meine neuen Lebensumstände gewöhnt. Mein Rudel war zwar ohne meine ganzen Geschwister, meine Dackelmama und alle anderen nun kleiner, aber das hatte natürlich den Vorteil, dass nun nicht mehr so viele im Rang über mir stehen!

Mein Tagesablauf bestand meistens darin, gleich morgens, wenn Mama sich nur schnell einen Mantel überwarf und Schuhe anzog und uns rausbrachte, ein hübsches Häufchen zu machen. Jedes Mal flippte Mama fast aus und lobte mich und gab mir ein Leckerli. Jedes Mal beteuerte sie, sie habe noch nie so ein prächtiges Häufchen gesehen und was macht sie dann damit? Sie packt sie extra in Tüten ein und lagert sie in einer großen Tonne. Ich weiß nicht, was sie damit vorhat, aber für das Leckerli mach ich halt draußen. Im Dunkeln habe ich sie schon versucht zu überlisten, in dem ich mich hingehockt habe und es hätte auch fast geklappt, wenn sie nicht mit der Taschenlampe gesucht hätte. Sie nannte mich einen „kriminellen Superschurken“. Das gefällt mir. Mit dem Pipimachen klappt es draußen auch ganz gut, aber wenn Mistwetter ist und es regnet oder stürmt, halt ich es extra an, bis wir wieder drinnen sind. Mama muss mich ja nicht extra rausbringen, wenn ich lieber im Trockenen pullern will. Blöderweise versteht sie es nicht und schleppt mich dann, obwohl ich schon fertig gepullert habe, nach draußen. Vielleicht versteht sie einfach nicht, wie es funktioniert? Dabei fällt mir ein, ich habe noch nie gesehen, dass sie oder Papa draußen markiert hätten. Menschen sind echt merkwürdig.

Nachdem wir uns erleichtert haben, kriechen wir nochmal zu Papa ins Bett, bis er auf die Arbeit muss und dann bleibt er bis zum Nachmittag weg. Das finde ich schade, weil ich immer Angst habe, dass er nie wieder kommt, aber wenn er dann da ist, spielt er immer zuerst mit uns. Ich freu mich dann wie verrückt, dass ich sogar manchmal vergesse, meine Blase im Zaum zu halten und dann mache ich das, was meine Eltern den „Freudenstrudler“ nennen.

Bis Papa wiederkommt, vertreiben wir uns die Zeit mit Frühstück und weiteren Pipirunden, aller zwei Stunden, und natürlich spielen. Manchmal muss auch Mama weg, weil sie zur Uni muss, aber sie bleibt nie so lange weg. Wenn sie da ist, geht es dann auch gleich wieder raus, manchmal haben wir es aber nicht mehr ausgehalten und Mama muss dann den Flur putzen, während wir im Wohnzimmer spielen. Manchmal entscheidet sie sich aber auch dafür, zuhause ihre Unidinge zu erledigen und nicht weg zu gehen, die Tage sind mir die liebsten.

Eine meiner Schandtaten geschah an einem dieser Tage. Wir schliefen friedlich auf ihrem Schoß, während sie eifrig an ihrem Computer herumtippte und frühstückte nebenbei aus einer Schüssel auf ihrem Schreibtisch. Der süße Duft von Milch und Cornflakes weckte mich auf und ich versenkte blitzschnell meine Schnauze in die Schüssel.  Leider kippte die Schüssel und Mamas Tastatur, der Schreibtisch, Lucy und ich, Mama und ihr Schreibtischstuhl bekamen eine Milchdusche. Lucy wachte auf, stellte fest, dass überall klebrige Milch schwamm und begann genau wie ich, schnell soviel aufzuschlecken, wie möglich, bevor Mama uns schnappte und ins Bad brachte. Dort wurden wir überflüssigerweise noch einmal gewaschen, dieses Mal mit Wasser. Danach versuchte sie mit Tüchern ihre Tastatur zu säubern. So ein Quatsch! Mit unseren Zungen wären wir viel besser rangekommen. Unser Fell war aber noch nie zuvor so weich und glänzend und Lucy verlangt, dass ich sie mit Kleopadra anspreche.

Wie bereits erwähnt, spielt das Pipi- und Pupu-Machen für uns eine wichtige Rolle. Machen wir alles richtig, bekommen wir eine leckere Belohnung und werden gestreichelt und gelobt, machen wir rein, bekommen wir nichts. Einer dieser Tage, der später als „der Tag des Bombenabwurfs“ in Erinnerung behalten wurde, begann damit, dass ich mir gerade mein Bäuchlein vollgeschlagen hatte. Lucy brauchte wie immer länger als ich und ich bemerkte bereits, dass ich musste. Jetzt. Also lief ich eilig zur Tür, die jedoch wie immer verschlossen war. Ich schnüffelte am Boden und entschied mich, dass auch hier eine gute Stelle für ein Häufchen war und hockte mich hin. Papa stürzte auf mich zu und schnappte mich und rief dabei: „Kann man ihn noch aufhalten?“ Ha. Natürlich nicht, naiver Mensch. Das Tor zur Hölle hatte sich bereits geöffnet und ließ sich nicht so einfach schließen.  Mein Papa hielt mich auf Augenhöhe, er sah mich an und ich sah ihn an. Es plumpste drei Mal hörbar, als meine Bomben auf den Boden trafen. Mein Papa begann zu lachen und musste sich japsend an die Wand lehnen, weil er sich so ausschüttete vor Lachen und auch Mama hat Tränen gelacht. Seitdem nahmen sie mich gleich nach dem Essen auf den Arm, damit ich mir gar nicht erst wieder ein Plätzchen zum Machen suchen konnte.
Doch nicht nur das, was rauskam, war interessant, nein, viel spannender ist, was ich alles versucht habe zu essen!

Bis zu meinem Zahnwechsel war ich ziemlich friedlich, danach wurde ich zum Nagetier! Meine Spielsachen wurden aufgerissen, die Füllung verteilt und die Squeeker zerkaut, bis das Spielzeug unkenntlich gemacht worden war. Nicht nur Spielzeug zerlegte ich, ich zerfetzte auch mehrere unserer Hundebettchen. Immerhin wollte ich ja eh im Bett der Menschen schlafen, also brauchte ich die Körbchen nicht unbedingt.

Auch Socken und Unterhosen schnappte ich mir und zerfetzte sie, ebenso die Taschen jener Jacken, in denen Hundeleckerlis aufbewahrt worden waren. Eine weitere Masche von mir wurde das „in die Höhle tragen“.

Schritt 1: Man nehme sich einen Gegenstand.

Schritt 2: Man trage ihn in seine Hundebox.

Schritt 3: Man zerstöre den Gegenstand voller Genuss.

Immer, wenn etwas unauffindbar in dieser Wohnung ist, sucht Mama zuerst in meiner Box. Darin fand sie schon diverse Stifte, einmal Papas Rasierer, an dem ich mich zum Glück nicht geschnitten habe, da ich lieber am hinteren Ende gekaut habe, Klebebandrollen, Verpackungen, die eigentlich schon im Müll gelandet waren und auf rätselhafte Weise daraus entwischt sind, Klopapier- und Küchenrollen, Kleidungsstücke, Papas Abenteuermobilschlüssel und noch viel mehr. Meine Mama führte die Redensart „Ich hab mir das genommen.“ ein, weil ich sie mit meinem Klauverhalten an das Monster aus dem Spiel Black & White 2 erinnere, das genau diese Äußerung von sich gibt, wann immer es sich etwas geschnappt hat.

Einmal stahl ich aus dem Müll einen Hühnerknochen und ass ihn zufrieden auf, Mama bekam als sie es bemerkte einen Schreikrampf und fütterte mir ekliges ausgewaschenes Sauerkraut, damit es sich in meinem Magen um die eventuellen Knochensplitter legen sollte. Meine Verdauung überstand es problemlos, aber Knochen konnte ich keine mehr aus dem Müll stehlen. Dafür bekamen wir ab und an rohe Knochen , die sich viel besser für Hunde eignen und unglaublich lecker schmecken.
Trotzdem konnte ich leider nicht immer machen, was ich wollte, wenn ich Unsinn gemacht hatte, landete ich in der Auszeitbox und wurde dann eine Weile vollkommen ignoriert! Das ist natürlich das schlimmste für mich und wenn ich dann nach einer Weile wieder raus darf, bin ich überglücklich und habe plötzlich gar nicht mehr so große Lust auf Zerstörung und Sachen klauen und will viel lieber versöhnlich auf Mamas Schoß schmusen und mich ankuscheln. Ich weiß eben, wie man die Menschen wieder um die Pfote wickelt. 😉

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