Heldendackel

Dass ich ein Held bin, weiß ich ja. Mama nennt mich sehr oft ihren kleinen Helden, obwohl ich sie im Verdacht habe, es manchmal ein klein wenig scherzhaft zu meinen, zum Beispiel, wenn ich beim Impfen gejammert habe oder vor Schreck einen Backflip gemacht habe, wenn vor meinen Füßen ein Blatt gelandet ist.

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Gestern jedoch habe ich, der Held, sie gerettet. Es war am Abend, unser letztes Gassi stand bevor. Mama zog ihre Jacke an, steckte sich die Taschen voll mit Kacktütchen und trottete durch den Flur, um auch noch ihre Schuhe anzuziehen. (Menschlinge sind so verdammt umständlich und benötigen diese Art der Vorbereitung jedes Mal, wenn es rausgeht.) Lucy leckte noch die letzten Reste unseres Abendessens aus dem Napf, was, seit sie so einen Antischlingnapf hat, etwas länger dauert. Normalerweise sitze ich dann schon erwartungsvoll vor der Tür und warte auf meine Leine, doch dieses Mal nicht. Etwas hatte mich auf halben Weg aufgehalten: Etwas war in Papas Schuhen – und ich meine damit nicht den Geruch!

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Mama hatte es mittlerweile endlich geschafft, die fünf Schritte vom Wohnzimmer bis zum Flur zu laufen und bemerkte, wie ich fasziniert in den Schuh stierte, als würde darin gerade eine Schlacht im Ausmaß von „Der Herr der Ringe“ stattfinden. Sie blieb stehen und glotzte ebenfalls misstrauisch auf den Schuh. Sehr vorsichtig und, weil Menschling, auch seeehr langsam, kippte sie mit ihrem Fuß den Schuh um. Heraus kam, mit erstaunlicher Geschwindigkeit, eine Spinne. Sie war eine ziemlich gewöhnliche Kellerspinne, groß und schwarz. unglaublich riesige Monsterspinne, ungefähr so groß wie ein Meerschwein  Waschbär  Pferd, hatte mindestens hundert dick behaarte Beine, die ungefähr einen Meter lang waren. Sie hatte riesige Beißwerkzeuge, von denen giftgrüner ätzender Schleim tropfte und acht rotleuchtende Augen. Außerdem hatte sie ein Tattoo auf dem stand „Ich esse gerne dackelliebende Studentinnen“ und war bewaffnet mit einer Panzerfaust. (Anmerkung der Redaktion) … Ja, Mama kann Spinnen nicht allzu gut leiden. Sie begann zu schreien: „Fass, Bud, faaaass!“ Ich achtete nicht besonders auf ihr Gequieke, sondern jagte das seltsame kleine verdammt große (Anmerkung der Redaktion) Krabbeltierchen. Die Spinne war schon ziemlich nah dort, wo Mama eben gestanden hatte (sie war zurückgesprungen), als ich sie mir schnappte und davon trug. Ich bin ein Genussdackel und wollte sie an einem gemütlichen Platz, wie dem Fuß-/ Pfotenabtreter, essen und vielleicht noch vorher etwas begutachten. Also legte ich mich an besagtem Platz nieder und spuckte die Spinne aus. Sofort begann wieder das Menschlinggeschrei („Aaaah, Bud, nimms, friss, happi, faaass!“) und davon abgelenkt, wäre mir das Spinnentier fast entkommen, büßte so aber durch meinen gewaltigen Pfotenhieb nur ein Bein ein, bevor ich sie verdrückte. Sie schmeckte eigentlich nicht besonders, war eben bisschen wenig Fleisch auf verhältnismäßig vielen Beinen, aber Mama war sehr froh, als die Arachnide verschwunden war. Jedoch stand sie nun vor einem neuen Problem: Was, wenn ich ihr jetzt, wo das letzte, das ich gefressen hatte, die Spinne war, ihr das Gesicht ablecken würde? Zähneputzen wäre Mamas logische Reaktion gewesen, sobald wir etwas Verbotenes gefressen hatten, doch anscheinend fürchtete sie, auf Überreste der Spinnenmahlzeit zu stoßen oder ihr war der Abstand von Maul zu Spinne im Magen zu kurz, zumindest kam ich nicht nur um das Zähneputzen, sondern bekam schnell noch ein paar Brocken Fleisch (zur Belohnung und natürlich um damit die Spinne im Hundebauch zu erschlagen).  Für mich war der Abend sehr unterhaltsam gewesen und Mama nannte mich ihren Helden. Und das bin ich ja auch.

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Weil Mama sonst vielleicht wieder anfängt zu schreien, gibt es statt einem artikelgetreuen Spinnenbild eben ein Foto von mir. Bin eh hübscher.

 

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