Helikopterfrauchen im Landeanflug

Lucy und ich wissen natürlich mittlerweile, dass wir adoptiert sind. Zwar sind die Menschlinge „Mama“ und „Papa“, aber ich weiß natürlich, dass meine leibliche Mutter Cloud von den Dombergspatzen und mein Vater Joker von der Steinmühle heißen. Als Hund lebt man nun mal nicht ewig bei seinen Hundeeltern und bekommt Menschlingseltern, die einen früher, die anderen später. Die Menschlinge dachten bei uns damals noch, sie holen sich etwas niedliches ins Haus, mit dem man Gassi gehen kann, doch spätestens als wir das erste Mal in ihren Armen schliefen, war er da: der Elternmodus. Jedoch kann ein Menschling schnell vom Elternmodus in den Helikoptermodus abdriften und zum Helikopterfrauchen/ -herrchen werden. miDoggy rief zu diesem Thema zur Blogparade auf und ich freue mich natürlich, meinen Schinkenknochen dazuzugeben! (Senf mag ich nicht, wie der aufmerksame Leser weiß.)

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Hundeeltern sind auch nur Eltern

Wahrscheinlich sind die Menschlinge einfach so programmiert um ihre eigene Brut zu schützen und können gar nicht dafür, dass sie sind, wie sie sind. Ist es klein, tapsig und hilflos? Beschütz es! Und gerade das beschützen nimmt eines unserer Elternteile seeehr ernst. Wer? Na, das zu erraten ist wohl nicht schwer.

Ein gutes Beispiel war die letzte Woche, in der Lucy Blasenentzündung hatte. Lucy ging es nicht so gut und sie war unleidlich und  Mama war sofort im Alarmmodus, man könnte sagen, das Helikopterfrauchen war am Abheben. Lucy wurde dick eingemummelt, bekam mit warmen Wasser verdünntes Essen und Medizin und ihr wurde immer wieder versichert, dass sie ganz, ganz tapfer sei, wenn sie draußen ihre dreieinhalb Pfützchen rausquetschte. Weil ich aber auch mal bisschen Action will und aber gleichzeitig Lucy nicht alleine zuhause bleiben sollte, wurde Lucy dann in einer Hundetragetasche mitgeschleppt, eingepackt in Decken und unter ihrem Po ein Heizkissen. Außerdem wurden Uni- und Arbeitstag der Menschlinge so geplant, dass wir nicht alleine waren, damit Lucy nicht so lange anhalten musste. Nichthundehalter schütteln über so viel Tüddelei den Kopf. Man muss einen Hund doch nicht so verwöhnen! Muss nicht. Aber man kann.

Das Maß aller Dinge

Mit dem Betüddeln ist es wie mit allen Dingen: es kommt immer darauf an, in welchem Maße. Bei uns ist es so, dass Mama schnell zum Helikopterfrauchen wird, wenn es uns nicht so gut geht. Das Baby is krank! ALARM! Für Mama gibt es nichts schlimmeres, als wenn wir krank sind. Wenn Lucy zur Begrüßung nicht zur Tür kommt. Wenn ich nicht wie gewohnt fröhlich herumhüpfe, sondern wie ein Häuflein Elend im Bettchen sitze. Dann wird sofort die Dackelexpertin unseres Vertrauens um Rat gefragt, Fotos von Kot und Kotze verschickt (die Expertin stört das nicht, wir sind echt froh, sie zu haben), das Pupu im Beutel auf seine Konsistenz befühlt, wenn etwas verschluckt wurde und dem Dackel frische morosche Möhrensuppe zubereitet und stündlich Globuli in Backentaschen geschoben. Der Lohn für diese Mühe ist dann, dass wir wieder gesund und munter herumtollen und dann ist Mamas Welt wieder in Ordnung, der Helikopter kann zurück ins Hangar.

Auch wenn es langsam kalt wird, beginnen sich ganz langsam die Rotorblätter zu drehen. Denn Lucy (halbnackt am Bauch seit ihrer Kastration) friert. Sie bibbert und zittert und friert, sobald die Temperaturen ins Einstellige abfallen. Deswegen besitzt sie eine bescheidene Auswahl an Kleidung.  Ein Hund hat Fell! Ja. Sehr gut beobachtet. Aber Kurzhaardackel haben nun mal an den kritischen Stellen nicht viel Fell und wer friert kriegt’n Pulli. So einfach.

Ein weiterer Punkt auf der Helikopterliste ist, wenn jemand etwas falsches über uns sagt oder uns ärgert. Dann ist der Helikopter nicht wie bei den oben genannten Punkten ein Rettungshubschrauber, sondern ein mit Raketen bewaffneter Kampfhubschrauber! Zum Glück für die Menschheit ist Mama eher von zurückhaltender Natur und wird selten laut, aber wenn sie einen schlechten Tag erwischt und jemand dann denkt, er müsse uns Dackel ärgern, kann sogar sie böse werden. Gestern zum Beispiel begegneten wir einem Paar mit Kleinkind. Lucy wurde abgerufen, angeleint und wir liefen extra einen kleinen Bogen, damit die drei  zweieinhalb Menschen unangekläfft passieren konnten. Was tat der UNHEIMLICH LUSTIGE Vater? Er bellte. Und animierte sein Kind zum Mitbellen. Lucy fand das nicht besonders komisch und Mama, die einen besagten schlechten Tag aufgrund gewisser gesundheitlicher Beschwerden hatte, rief dann dem netten Herrn als Antwort ein ziemlich undamenhaftes Wort zu, dass auch eigentlich nicht für Kinderohren geeignet war. Macht man natürlich nicht, ist sehr unfein und wird nie wieder vorkommen. Vielleicht.

Außerdem werden bei uns Hundegeburtstage gefeiert. Einige finden das vielleicht albern, weil der Hund weiß ja gar nicht, was das für ein Tag ist!, aber wir sind nun mal Familienmitglieder und als solche wird unser Ehrentag bedacht. Wir bekommen ein besonders leckeres Fresschen und ein kleines Präsent und meistens wird sich bemüht, mit uns auch etwas tolles zu machen. Mama singt uns auch ein Ständchen, aber darauf könnte ich zur Not auch verzichten. Auch an Weihnachten ist unter dem Tannenbaum ein Päckchen, auf dem „Buddy“ und „Lucy“ steht. Der Helikopter dreht seine Runden über uns und zieht einen „Ich liebe meine Hunde!“-Schriftzug hinter sich her.

Und ja, natürlich sind wir auch im Urlaub mit dabei. Unsere Eltern haben uns nämlich absichtlich adoptiert und wussten, dass sie von nun an zwei Hunde in ihr Leben einplanen mussten. Das Geheule von manchen Menschlingen Aber dann könnt ihr ja gar nicht weit weg in den Urlaub fliegen! rührt daher, dass sie andere Vorstellungen von einem schönen Urlaub haben. Der eine muss eben unbedingt ferne Städte besichtigen, dem anderen macht es mehr Spaß mit seinen Hunden auf einen Angelausflug zu gehen. Ihr müsst euer Leben ja nach dem Hund ausrichten! Nein. Sie wollten ein Leben mit „dem Hund“ und leben mit ihm zusammen. Und wir Hunde richten uns ja auch immer nach den Menschlingen, früh um sieben Gassi zu gehen wäre nämlich nicht unbedingt meine Idee gewesen.

Wenn der Helikopter in der Luft ist

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Natürlich ist der Grad zwischen „Ich kümmere mich fürsorglich um mein vierbeiniges felliges Hundekind, auf dass es ihm an nichts mangle“ und „Mein Pupsibärchen kann nicht durch diese dreckige Pfütze laufen, da wird es nur krank von all den Keimen!“ schmal. Sehr schmal. Ab wann ist man denn ein übersorgtes Helikopterfrauchen?  Man kennt es ja eher von Eltern mit kleinen Kindern, die ihrem Nachwuchs sofort die Finger desinfizieren, wenn es eine Kastanie vom Boden aufgehoben hat. Das Äquivalent in der Hundewelt ist dann das klassische Frauchen, dessen Hündchen sich bloß niemals im Dreck wälzen darf und das panisch vor einem entgegenkommenden größeren Hund flieht.

Trotz aller Liebe und Fürsorge darf der Menschling eines nicht vergessen: Wir Hunde sind kleine oder auch weniger kleine Raubtiere und wollen ab und an einfach nur Hund sein. Und dazu gehört auch sich ab und zu in stinkendem Matsch zu wälzen, durch Schlammpfützen zu preschen und mit unseren Hundefreunden wild zu toben.

Wir wären gerne überall  dabei bei unseren Menschlingen, aber manchmal ist es wirklich besser, wenn wir sie alleine gehen lassen und nicht mit auf den Weihnachtsmarkt inmitten gruseliger Menschenmassen, Lärm und Geruchsüberreizung geschleppt zu werden und nicht alleine vorm Bäcker angebunden zu werden und den ganzen Verrückten da draußen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein, die uns klauen oder mit komischen Sachen füttern oder auch nur anfassen.

Ich mag Menschlinge und habe sogar ein paar ganz bestimmte Lieblingsexemplare, wie zum Beispiel meinen Koch, aber manche Hunde (Lucy) haben Angst und deswegen muss man nicht von jedem Menschling gestreichelt werden. Panisch wegrennen, sobald man einen anderen Menschling mit oder ohne Hund sieht, bestärkt den ängstlichen Hund nur noch in seiner Furcht und muss nicht sein. Nicht jeder andere Hund ist böse, aber nicht jeder mag es, wenn Artgenossen auf ihn zustürmen, deswegen reicht es einfach, angeleint und ruhig aneinander vorbei zu gehen. Außer, wir sind Kumpels, wie Finn und ich, dann heißt es PARTY PEOPLE!

Wir tragen notgedrungen Kleidung im Winter, aber es muss nicht sein, dass wir auch im Sommer ein Kleidchen anhaben und wir brauchen auch keine kleinen Schutzstiefelchen bei Dreckwetter. Auch braucht ein Golden Retriever nicht unbedingt einen Wintermantel, wenn er gesund ist und nicht friert. Klar, sollte die Klamottage nicht zu doof aussehen, aber mir ist es ehrlich gesagt egal, ob ich nun ein rotes oder ein grünes Mäntelchen trage, hauptsache es ist warm, wasserdicht und hat idealerweise Reflektorstreifen dran.

Wir lernen gern und lieben Ausflüge mit unseren Menschlingen, aber wir brauchen keinen 24/7 Stundenplan, sondern finden auch einen Couchtag mal richtig super. Wir finden Hundesport faszinierend, aber das heißt nicht, dass wir jede Variante ausprobieren müssen. Wenn es regnet und eklig ist, haben wir auch manchmal keinen Bock auf lange Spaziergänge und spielen lieber drinnen eine Runde „In welcher Klopapierrolle ist der Keks versteckt?“.

Wir sind gern mit unseren Zweibeinern zusammen, aber wir überleben auch mal ein paar Stunden ohne sie. (Und dann kann ich endlich mal wieder so richtig schön Mamas Lieblingsunterhosen zerkauen und mal nachgucken, was eigentlich alles so in den obersten Schubladen ist.)

Als Hund ist man auf die Liebe seines Menschens angewiesen, aber helikoptert doch bitte in einem Maße, in dem wir noch Hund sein dürfen und wir uns beide wohlfühlen.

trickkiste

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2 Gedanken zu “Helikopterfrauchen im Landeanflug

  1. Steffi schreibt:

    Toller Beitrag zu dem Thema!!!!! Ich habe eben auch meinen Senf 😉 dazu gegebene und festgestellt dass ich schon zu der Helikopter-Fraktion gehöre… Aber wie ich finde in einem akzeptablen Rahmen.

    Ich denke jeder, der Verantwortung für ein anderes Lebewesen übernimmt, neigt zur Übervorsorglichkeit!

    Aber richtig! Im Wohlfühlrahmen für beide sollte es bleiben.

    Viele liebe Grüße
    Steffi mit Ren und Stimpy

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