Dinge, die nicht in Dackel gehören II

Erst vor kurzem berichteten wir euch von meiner neuesten Schandtat: Ich öffnete in Abwesenheit meiner Eltern den Flurschrank, stahl Halsbänder und frass dabei Lucys Welpenhalsband.

Nun sind einige Tage vergangen und Frauchen hatte den Schrank bereits ausgeräumt. All die Halsbänder und Hundeklamotten waren nun im Schlafzimmer untergebracht worden und damit der so freigewordene Platz nicht verschwendet wird, räumte sie sämtliche Konservendosen in den Flurschrank. Diese stammen eigentlich aus dem Abstellraum, wo Herrchen und Frauchen ihren „Zombieapokalypsenvorrat“ horten, wie sie es spaßeshalber nennen. Die ganzen Dosengerichte und Gemüsekonserven haben sich bisher aus Ermangelung einer Zombieapokalypse schon bei längeren Krankheiten als nützlich erwiesen und es passten zu Frauchens Freude genau alle hinein. Es blieb sogar noch Platz für kleine Büchsen mit Fisch in verschiedenen Soßen (denn eine abwechslungsreiche Ernährung ist auch in der Apokalypse erstrebenswert). Die Zweibeiner sagten noch, diese Blechdosen würde ich eh niemals aufkriegen. Challenge accepted!

Dackel makro 3

Wie oft behauptet jemand, solche kleinen Hunde könnten dies und jenes nicht! Wie oft wurde ich, Sir Bud von Wigglesworth, für meine Größe diskriminiert! Genug ist genug! Zeit zu beweisen, dass Dackelkiefer dieselben Kräfte beherbergen wie die eines Krokodils! Als Frauchen das nächste Mal das Haus ohne uns verließ, witterte ich meine Chance. Sie wiegte sich in Sicherheit, weil sie wirklich alles versucht hatte, mich auszulasten, mit Training, Spiel und Gassi. Auch meinen Magen hatte man reichlich gefüllt mit Essen und den guten Fischkeksen aus dem Kong. Dennoch, mein Plan stand fest!

Als Frauchen heimkam, freute sie sich zunächst, uns zu sehen. Dann aber fiel ein gewisser Geruch auf – Sollten die Fischkekse so intensiv und vor allem so fruchtig nach Tomate riechen? -, dessen Quelle aus unserer Box kam. Nun, als Frauchen die zerfetzte, in mehrere Teile zerlegte Konservendose sah, die trotz vieler spitzer Ecken und Kanten akribisch sauber geschleckt wurde, bekam sie einen Schreikrampf, nahm mir meinen Snack ab und düste sofort hinüber in den Laden, um Sauerkraut zu kaufen. Dieses landete kurze Zeit später in meinem Napf.

20170413_102740

Symbolbild: Was WIRKLICH in den Napf gehört!

Wer Hunde hat, kennt diese Erste-Hilfe-Maßnahme vielleicht schon. Verschluckt der Hund etwas Spitzes, ein Stück Knochen (Paradebsp.: Geflügelknochen aus dem Müll) oder irgendetwas anderes, das zu Verletzungen führen kann, sollte man den Hund mit reichlich Sauerkraut füttern. Ich musste bestimmt über 250 Gramm fressen, auch wenn ich mich nach Kräften zur Wehr setzte. Das Sauerkraut landet im Idealfall direkt nach dem spitzen Appetithäppchen im Magen und wickelt sich wie eine Schutzschicht darum. Da Hunden das Enzym zur Aufspaltung pflanzlicher Zellwände nicht besitzen, bleiben die Sauerkrautfasern weitestgehend intakt und rutschen samt dem Fremdkörper durch den Darm, bis alles zusammen draußen landet. ( Im Zweifelsfalle aber immer Tierarzt, Kinder!) Metallstücken sind jedoch wirklich sehr, sehr spitz und sehr sehr scharf. Ob ich etwas davon verschluckt hatte, konnte man nicht genau sagen, die Dose war zu verbeult, um zweifelsfrei auszuschließen, dass etwas daran fehlte. Lucy, die als typische Mitläuferin natürlich auch mitgefuttert hatte, musste auch Sauerkraut essen. Für sie war es aber eine weitere glückliche Fügung: Nach dem Frühstück und den Keksen leckeren Fisch in Tomatensoße UND köstliches Sauerkraut!

Die Zweibeiner beäugten mich den ganzen restlichen Abend. Das letzte Mahl hatten sie zwar den Diebstahl nicht bemerkt, aber es gab Anzeichen, dass es mir nicht gut ging. Dieses Mal blieb jedoch das Übergeben, das viele Trinken und auch das Zittern aus. Ich schlief glücklich und zufrieden und pupste nur ab und an ganz leise. (Hey, das ist nicht meine Schuld! Wer gibt mir denn Kraut zu fressen!) Die Nacht verlief vollkommen ruhig.

hund im bett

Beim Gassi hing Frauchens Blick dann die ganze Zeit auf meinen vier dackeligen Buchstaben, denn hätte ich etwas verschluckt, müsste es ja nun zu sehen sein. Es passierte aber nicht viel, außer dass ich jede Gelegenheit zum Markieren nutzte. Als Künstler kann ich es nämlich nicht leiden, wenn man mir bei der Arbeit zuguckt. Ich kann dann nicht. (Das hab ich von meinem Menschling.) Doch kurz vor Ende des Gassis bequemte ich mich dann doch. Frauchen krabbelte unter das Gebüsch und schnappte sich triumphierend mein Dackelgold und begann sofort mit der Analyse (Ihr wisst schon. Im Kotbeutel zerdrücken, ob was Hartes drin ist und gucken, ob man was glänzen sieht.). Frauchen war so fixiert darauf, etwas darin zu finden, dass sie die Kindergartengruppe, die an uns vorbeimarschierte und sich über die Kottütenglotzerei wunderten, erst bemerkte, als es zu spät war. Düdüm.  Das Ende vom Lied ist, dass jetzt weiter gewartet wird, was im Laufe des Tages aus mir herauskommt. Bisher sieht es aber aus, als hätte ich Glück gehabt. Der Schrank ist jetzt komplett, wirklich komplett, ausgeleert und sie trauen sich auch bisher nicht, irgendwas darin zu lagern. Vielleicht wird das meine neue Höhle?

Werbeanzeigen

7 Gedanken zu “Dinge, die nicht in Dackel gehören II

  1. Isabella schreibt:

    Bei so einer Herausforderung musstes Du ja reagieren … ich habe schon vor vielen Jahren gelernt, dass es nicht viel gibt, was Hunde nicht können 🙂 Und der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt – besonders im Team können Hunde oft „Unvorstellbares“ leisten!
    Ich hoffe trotzdem Du warst so vorsichtig nichts von dem scharfkantigen Zeug zu schlucken.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  2. Nora schreibt:

    Gut, dass du nur den leckeren Inhalt der Dosen gegessen hast – schlauer Bud! Und auch sehr aufmerksam von dir, dass du deine Menschen so auf Trab hältst. Der Januar ist kalt und grau, wahrscheinlich würden die Armen sich schrecklich langweilen.

  3. anja&charly schreibt:

    Eigentlich hast du auch keine Schuld, wenn uns unsere Wurstverdiener immer solche Vorlagen bieten, *schimpf*. Aber du musst trotzdem etwas vorsichtiger werden, denn wir wollen noch lange schöne ☝️ Geschichten von dir hören.

    LG
    Anja und Charly

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.