Von Dackeln, Baustellen und Hundebuggys

Letztes Jahr begannen an dem Haus, in dem unsere Wohnung liegt, diverse Renovierungsarbeiten. Das Dach war von einigen Stürmen arg mitgenommen und auch die Fassade hatte bessere Tage gesehen. Letztes Jahr wurde darum das Dach auf der Nordostseite erneuert und jetzt begannen die Arbeiten auf der anderen Seite des Hauses. Zuvor waren nur Küche und Bad betroffen, jetzt sind die Hauptlebensräume der Zweibeiner betroffen: Schlafzimmer und … das Zimmer, in dem die PCs stehen. (Düdüdüdüüüm.)

Für uns bedeutet das Baulärm und Menschen, die direkt am Fenster auf dem Gerüst vorbeilaufen und damit hat Lucy ein echtes Problem. Als Wachhund platzt sie fast, wenn sie vermeintliche Eindringlinge ganz nah sieht. Der Baulärm, das ständige Klopfen, das Klirren der herabrutschenden Ziegel, die Schritte über ihrem Kopf, all das missfällt Lucy ganz gewaltig. So kam es, dass sie non stop mitkläffte. Halb sieben begann der Krach, eingeleitet von House of the rising Sun und einer Debatte der Dachdecker, ob das die Wohnung mit der Katze sei (Kyra hat wohl Fenster-Freunde gefunden) und Lucy schimpfte und mäffte seitdem mit.

Gegen Mittag hatte Frauchen jedoch einen Termin und Lucy war völlig durch. Bei jedem Scheppern riss sie nervös den Kopf hoch und zitterte irgendwann schon vor Erschöpfung und Wut. Hier zu bleiben, war also keine gute Option, aber bei diesem Termin waren Hunde eigentlich störend… Als strahlender Held betrat nun unser Hundebuggy die Bühne. Im Urlaub hatte er uns schon gute Dienste geleistet, hatte müde Dackel transportiert, unsere Pfötchen vor glühendheißem Asphalt bewahrt, uns sicher durch große Menschenmengen bugsiert und wir hatten damit schon viele Geschäfte und Restaurants betreten dürfen. Darum schnell das Handy gezückt und gefragt, ob wir mitkommen könnten, dann den Buggy startklar gemacht.

Für uns war das ein großes Abenteuer. Ich meine, der Buggy war dabei! Tolle Dinge passieren, wenn der Buggy dabei ist! Gut gelaunt und voller Tatendrang liefen wir neben unserer Kutsche her. Bis zum Termin liefen wir an der Leine, erst kurz bevor wir da waren, wurden wir in den Hundebuggy gesetzt. Dieser stand dann einfach daneben, während des Termins bekamen wir kaum Beachtung, nutzten aber die Ruhe, um etwas zu entspannen.

Auf dem Rückweg machte Lucy dann schlapp. Der Boden war warm und von ihrer Brust bis zum Grund sind es vielleicht fünf Zentimeter. Doch wofür gab es den Hundebuggy?! Lucy fährt damit ganz gern und machte es sich gemütlich. Während ich fröhlich nebenher lief und jeden Strauch als mein Eigen zeichnete, betrachtete sie entspannt aus dem Schutz des Buggys die Welt. (Frauchen hatte ihr Handy mit Pokemon neben Lucy gelegt, um ein paar Pokeeier auszubrüten. Geschlüpft ist keins, aber allen Anschein nach saß Lucy zwischenzeitlich auf dem Display und fing mit ihrem Hintern ein Hornliu, denn ein solches war plötzlich da.)

Natürlich gibt es Dinge, die funktionieren in Großstädten und im Ausland, aber nicht in einer mittelsächsischen Kleinstadt. Ich meine, ein HUNDE-Buggy! Das ist unvorstellbar! Hunde haben ja BEINE! Derlei ausgeklügelte Ausflüge in die Biologie erhielten wir unterwegs. Einen Typen traumatisierte dieser grobe Verstoß gegen gesellschaftliche Normen (=dass nur kleine Zweibeiner müde Beinchen kriegen konnten und doch keine Hunde!) so sehr, dass er sich die Zeit nahm, im Vorbeifahren mit seinem Auto eine Geste gegen seine Stirn zu vollführen und irgendwas Wütendes mit „Pfoten!“ zu brüllen. Hach ja, es geht doch nichts über Experten im Bereich Hundebewegung, die aus ihrem klimatisierten Auto heraus urteilen. 🙂

Zurück auf der Baustelle dauerte der Krach zum Glück nicht mehr allzu lange und am Abend flüchteten die Zweibeiner mit uns in den Garten von Herrchens Oma auf dem Dorf.

(Liebe Dani, danke, dass wir Frauchen auf dieser Mission begleitet durften! 🙂 )

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