Buuuhuuu-diges Halloween!

Wieder einmal ist es Zeit für einen der doofen Bräuche der Menschlinge. Weil sie mit ihrer Felllosigkeit, den grotesk langen Beinen und der komischen flachen Schnauze ja noch nicht hässlich genug sind, müssen sie sich als noch hässlichere Monster verkleiden. (…Obwohl es für Manchen natürlich eine Verbesserung ist.) Es heißt, in dieser Nacht würden die bösen Geister herumstreunen, hier bei uns trauen sie sich das natürlich nicht, weil das ja mein Revier ist. Die Menschlinge schnitzen Fratzen in Kürbisse (was gut ist, denn dann landen die Dinger nicht in meinem Napf), verteilen mancherorts Süßigkeiten an Kinder und erzählen sich Gruselgeschichten. Das kann ich natürlich auch! Lehnt euch zurück und genießt mein budiges Halloween-Special!

Bud the Ripper

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Es war an einem kalten Abend im Herbst, als sich die Nebelschwaden die engen Straßen entlangwanden wie klamme Schlangenköpfe vom Haupte der Medusa. Ihre Schritte klangen dumpf auf der feuchten Straße, die weichen Plüschfüße hinterließen kleine runde Fußspuren. Ihr Name war Teddy. Sie war sehr beliebt in ihrem  Mertier, denn sie besaß mehrere Quietscher und drei Stoffreifen, die ihren Körper verhüllten. Es war gefährlich für eine wie sie zu dieser Stunde, hatte es doch erst vor kurzem einen erneuten Überfall gegeben. Das erste Opfer war Fuchsi gewesen. Sie hatte sich selbst gern stolz den famous fox genannt, sie hatte sich außerordentlich großer Beliebtheit erfreut. Vielleicht war sie deswegen ins Visier des Meuchelmörders geraten, vielleicht war es auch nur Zufall, dass ausgerechnet sie in seine Klauen fiel. Alles, was man noch von ihr fand, war ihr puscheliger Schwanz in einer Lache aus Spucke und Füllung. Am Tatort, munkelte man, hätte man nur ein zerkautes Quietschi gefunden. Teddy hörte ein Geräusch hinter sich und blieb stehen. Sie starrte angestrengt in den Nebel, doch sah nichts und konnte auch nichts mehr hören. Sie setzte ihren Weg fort. Das nächste  Opfer war auch eine von ihnen gewesen. Sie war keine Schönheit gewesen, sie sah aus wie ein übergroßer Vogel. Jedoch hatte sie wert auf Natürlichkeit gelegt und das war wahrscheinlich das verführerische an ihr gewesen, Leinen und Leder kombiniert mit einem Quietscher. Auch ihrer lag in der Nähe ihrer Überreste, erneut zerkaut. Die Füllung, angesabbert und verstreut. Da! Da war wieder dieses Geräusch gewesen, ein leises Klopfen, wie ein Hundeschwanz auf dem Boden. Es klang ganz nah, doch sie konnte sich leicht getäuscht haben, denn der Nebel schluckte alle Geräusche und sie konnte langsam auch kaum mehr die Plüscharme vor Augen sehen. Die Furcht kroch in Teddys weiches Herz und ihre Stoffringe bebten unter ihrem heftigen Atem. Das Schwein hatte sie persönlich gekannt. Es war anders als die anderen, denn es hatte keinen Quietscher, sondern grunzte stattdessen. Wahrscheinlich hatte es deswegen geglaubt, es sei in Sicherheit, doch innerhalb weniger Tage fand man auch das Schwein. Der Ringelschwanz war fort, die Latexhaut zerrissen, die Füllung voll mit noch warmen Sabber. Und der Grunzer war zerkaut wie die Quietscher der anderen Opfer. Es war wieder Bud the Ripper, flüsterte man unter vorgehaltener Hand. Natürlich hatte die Polizei versucht, die Morde zu verhindern. Es gab ein Sperrgebiet, in dem sich Damen wie Teddy tagsüber zurückziehen konnten und es wurde ihnen nur noch erlaubt, ihrer Tätigkeit unter Aufsicht nachzugehen, doch das machte denen, die sie quietschen wollten, nicht so viel Spaß. Deswegen trafen sie sich nun heimlich, wenn die Polizei nicht zu sehen war. Klack. Klack. Waren das Krallen? Teddy konnte vor Schreck nicht weiterlaufen. Sie erkannte im Nebel eine Gestalt mit großen Ohren und breiten Pfoten. Das Gesicht war schwarz und mit einer helleren Maske bedeckt. Es war Bud the Ripper! Seine Zähne bohren sich tief in das Plüschtier. Der Morgen brach an und alles, was man noch von Teddy fand, waren ihre verstreuten Stoffringe, sabberfeuchte Füllung und ein zerkauter Quietschi.

Dr. Dackelstein

Als treuer Diener meines Herrn und Meisters steht es mir nicht zu, seine Studien infrage zu stellen, doch was ich nun berichte, ist in der Tat ungewöhnlich und für manch zarte Seele verstörend. (Lucy würde gleich ein Angstpfützchen machen.)

Alles begann damit, dass ich in das Haus meines Meisters kam. Sie besaß vielerlei seltsame Gerätschaften, deren Funktion sich mir nicht erschloss  und Türme alter verstaubter Bücher. Zur selben Zeit wurde die Stadt von mysteriösen Morden heimgesucht, die absolut nichts mit mir zu tun hatten. Die Opfer waren sich alle ähnlich: sie waren noch jung, schön und besaßen Quietscher. „Was für eine Verschwendung.“, seufzte man beim Anblick der zerfledderten Stofftiere. Doch mein Meister schwieg und betrachtete die zerrissenen Leiber mit dunklem Blick. Bald darauf verschwanden die Mordopfer spurlos. Allein ich bemerkte, dass ein rätselhafter Korb auf der Nähmaschine immer voller wurde, doch als getreuer Diener schwieg ich darüber,  wenn auch mir das Verhalten des Meisters seltsam vor kam. Es verging einige Zeit. Weitere Morde geschahen. Weitere Körper verschwanden. Der Wäschekorb türmte sich bedrohlich auf. In einer Gewitternacht geschah dann das Unglaubliche. Mein Meister packte den schweren Korb und bereitete aus, was sich darin befand. Es war der zerfetzte Teddy. Eine Ente, deren Kopf abgekaut worden war. Es waren die verschwundenen Körper der Mordopfer! Bergeweise Füllung und mehr oder weniger zerstörte Quietscher.  Vor Grauen und vor Faszination blieb ich wie erstarrt und schaute zu, wie Füllung in Stoffkörper gequetscht wurde, unabhängig davon, ob sie ursprünglich von dort stammte; Flügel wurden abgetrennt, Beine angenäht, verschobene Gesichter mit Nähten blickten ausdruckslos ins Leere. Der Meister gab verzweifelt auf, seine Kreatur, halb Teddy, halb Ente, hockte wie ein Wolperdinger auf der Nähmaschine. Als der Meister das Zimmer verlassen hatte, schlich ich auf leisen Pfoten heran und beschnüffelte die Plüschtierkreatur. Unendlich vorsichtig streckte ich meinen Hals und lauschte- kein Meister in Hörweite. Schnell pflückte ich die Kreatur von der Nähmaschine und trug sie in eine dunkle Ecke, um sie zu untersuchen. Sie wirkte wie ein gewöhnliches Spielzeug, nur grotesk entstellt und dilettantisch repariert. Ich beschloss, es zu wagen und biss leicht in das deformierte Plüschtier. Ein hoher greller Ton kam aus den Tiefen des Körpers- das Monster quietschte! Verzückt quietschte ich mich satt und als ich des Quietschens überdrüssig wurde, ließ ich das Stofftier im Flur zurück und widmete mich anderen Beschäftigungen. Mitten in der Nacht musste der Meister noch einmal aus dem Zimmer und betrat schlaftrunken und im Dunkeln den Flur. Plötzlich erstarrte sie. Im dämmrigen Flur glotzten schief sitzende Stofftieraugen in verschiedene Richtungen. Der Meister entschied sich dann doch dafür, das Licht anzuschalten und beeilte sich schnell, an der Kreatur vorbeizukommen. Auch am helllichten Tage ertrug sie den schielenden Blick des Monsterspielzeugs kaum und bemühte sich, ihm so selten wie möglich zu begegnen. Doch das zerrupfte Tier schien ihr zu folgen. Und dies war die Geschichte, wie das alte Stofftier spurlos verschwand und ich ein tolles neues Quietscheeichhörnchen bekam.

Friedhof der Schinkenknochen

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Vor langer Zeit hatte ich mal einen wunderbaren Schinkenknochen. Er war in jederlei Hinsicht perfekt: saftig, aber nicht zu weich, gutes Aroma, aber dennoch gut verdaulich, weder zu groß, noch zu klein für einen nagebedürftigen jungen Hund. Jedoch geschah es, dass ich es im Spiel zu wild trieb und der Schinkenknochen zerbrach und wegen der spitzen Splitter konfisziert wurde. Ich weinte sehr um meinen geliebten Schinkenknochen und nichts in der Welt konnte ihn mir zurückbringen. Dachte ich. Als ich gerade ein weiteres Trauerlied über den Verlust des köstlichen Knochens anstimmen wollte, winkte mich meine Mitbewohnerin, die alte Katze, zu sich heran. „Hey! Mit dem Schwanz zu wedeln heißt bei uns Katzen Hau ab!, also zieh Leine, Hund!“ Ich setzte mich neben ihr auf ihren Kratzbaum und schubste sie ein kleines bisschen, um mir Platz zu verschaffen. „Ach weißt du, ich vermisse immer noch meinen Schinkenknochen. Er war noch so frisch und ich habe ihn viel zu zeitig verloren.“, beklagte ich mich. „Das geht mir an meinem flauschigen Arsch vorbei.“, sagte die Katze. „Weißt du, ich mache mir Vorwürfe. Wenn ich ihn nicht wild durch die Gegend geschleudert hätte und ein bisschen mehr auf ihn Acht gegeben hätte, wäre er vielleicht noch hier.“, sinnierte ich und unterdrückte ein Schluchzen. „Mann…du nervst, Hund.“, tröstete mich die Katze. „Gäbe es doch nur einen Weg, ihn wieder ganz zu machen und zu mir zurück zu holen!“, jaulte ich ihr direkt ins Ohr. „Dann hol dir deinen verdammten Knochen doch wieder! Dort oben auf dem Tisch liegt er doch!“ „Aber er ist doch entzweigebrochen.“, erwiderte ich, „Selbst wenn ich ihn wieder hätte, er ist kaputt. Es wäre nicht dasselbe. Wie soll ich denn zwei Knochenenden kauen mit nur einem Maul?“ Die Katze murmelte etwas, aber ich verstand nur „Ja, dann steck ihn dir doch in den …sch.“ „Was hast du gesagt?“, fragte ich neugierig und wedelte hoffnungsvoll. Die Katze räusperte sich: „Also, ich weiß eine todsichere Methode, wie du den Knochen zurückholen kannst, so dass er völlig unversehrt ist. Da draußen, hinter dem Wald, da ist eine Wiese, die war mal ein alter Eingeborenenfriedhof…“ „Was sind Eingeborene?“, fragte ich dazwischen. „Völker, die schon viel viel früher als wir hier gelebt haben.“ „So wie Wildschweine?“, überlegte ich. Die Katze stieß ein Stöhnen aus. „Genau. Wildschweine. Die Wildschweine hatten einen geheimen Friedhof und alles was du dort verbuddelst, kommt zu dir zurück.“ Ich wedelte heftig. „Was?“, fragte die Katze. „Du hast buddeln gesagt, ich liebe buddeln!“ „Wenn du den Knochen dort vergräbst, wird er wieder so wie er einmal war. Also zumindest fast wie er einmal war.“ Die Katze machte ein unheilvolles Grumpy-Cat-Gesicht. „Alles, was dort wieder herauskommt, ist böse. Traust du dich, deinen Knochen zurückzuholen?“ „Klaaar.“, sagte ich, „Ich habe vor gar nichts Angst.“ „Dann mach, dass du von meinem Kratzbaum kommst!“, motivierte mich die Katze. „Hast du das mit dem Verbuddeln dann schon mal probiert? Klappt das echt?“, fragte ich unschlüssig und kratzte mich am Ohr. Die Katze nickte lebhaft. „Aber natürlich. Ich habe dort mal eine tote Maus vergraben und sie kam lebendig wieder aus dem Loch.“ „Was hast du dann mit ihr gemacht?“, fragte ich, weil mir die Geschichte sehr neu vorkam. „Ich…habe sie nochmal getötet. Und gefressen. Ich bin eine Katze.“ Das klang für mich einleuchtend. Ich dankte ihr und beschloss, trotz ihrer Warnung mein Glück zu versuchen, denn ohne meinen schönen Knochen wollte ich nicht bleiben. Nach einigen Stunden kehrte ich zurück, voller Schlamm und mit Erdklumpen im Fell. Die Katze blinzelte zu mir herunter. „Aaah, sieh an, sieh an. Und? Hast du die Wiese gefunden?“ „Nö.“, sagte ich fröhlich. „Wo ist der Knochen?“, verlangte die Katze zu wissen. „Hab ich auf der Wiese vergessen. Da waren sooo tolle Buddellöcher! Ich habe so viel gegraben und geschnüffelt, ich bin ganz k.o.!“ Mit diesen Worten dackelte ich auf mein Kissen und machte ein Nickerchen. Als ich aufwachte, kamen gerade meine Menschlinge heim. „Buddy, schau mal, du musst nicht mehr traurig sein, wir haben Lucy und dir neue Schinkenknochen mitgebracht!“ Was aus meinem alten kaputten Schinkenknochen geworden ist, weiß ich nicht. Aber mein neuer Schinkenknochen ist einfach perfekt!


…Jetzt steht euch das Fell zu Berge, was? Wenn ich nächstes Jahr gute Laune habe, werde ich euch neue Schauergeschichten erzählen, die vom letzten Jahr findet ihr hier.

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Ein schauriges Heulen zu Halloween!

Ich hoffe, niemand von euch ist von bösen Unholden geholt worden, ich persönlich habe den Großteil der Halloweennacht verschlafen. Mein Bruder war zu Besuch und wir haben uns schnell müde gespielt, dass wir dann froh über unser weiches Bett waren.

Da es jedoch Brauch ist, sich gruselige Geschichten zu erzählen, werde ich euch das Fürchten lehren!

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Der Dackel, der auszog um das Fürchten zu lernen

Es war einmal ein junger Dackelrüde, der war schon immer der tapferste aus seinem ganzen Wurf. Seine Mutter war oft genervt, weil er im Gegensatz zu den anderen Welpen, die ängstlich in der Reichweite ihrer Mutti blieben, weit voraus in die Welt hinein lief und sie erkunden wollte. Er fürchtete sich vor nichts und als ihn seine Geschwister fragten, ob er denn nie Angst habe, dachte er lange nach und kam zum Schluss, dass er gar keine Angst kannte.  Also ging er zu seiner Mutter und fragte sie: „Wovor fürchtest du dich?“ Sie überlegte, dann sagte sie: „Oh, mein Liebes, wenn es ein was gibt, wovor man sich fürchten sollte, dann sind es Katzen! Diese listigen Dinger hauen dir mit ihren Krallen auf die Nase!“ Der kleine Hund bedankte sich und ging nun zum Anführer seines Rudels und fragte: „Wovor fürchtest du dich?“ Die große Anführerin musste lange überlegen, dann fiel ihr etwas ein: „Fremde Menschen sind wirklich unheimlich! Man weiß nie, was sie im Schilde führen und sollte sie immer anbellen, genau das habe ich auch all meinen Kindern beigebracht!“ Der tapfere Dackel ging zum größten Hund in seinem Rudel und fragte ihn: „Großer Hund, fürchtest du dich vor etwas?“ Der große Hund nickte weise und sprach: „Tierärzte. Vor Tierärzten und ihren Spritzen sollte man sich hüten!“ Der kleine Hund bedankte sich und zog sich zurück um nachzudenken. Eines Tages wurde er von einer Familie adoptiert und in seinem neuen Zuhause traf er einen merkwürdigen Hund. Der schlief auf einem Körbchen, das auf Sisalstämmen aufgehängt war und sah ganz seltsam aus: er hatte spitze Ohren, hatte lange dünne Krallen und machte seltsame Geräusche, wenn er zufrieden war. Der kleine tapfere Hund freundete sich schnell mit dem seltsamen Hund an. „Du bist ein seltsamer Hund.“, sagte er zu dem seltsamen Hund. „Bist du bescheuert? Ich bin eine Katze!“, sagte der seltsame Hund. Doch der tapfere kleine Hund wusste ja, dass das nicht sein konnte, weil Katzen einen auf die Nase kratzten. Die Tage vergingen, da kamen fremde Menschen zu Besuch, doch der kleine Hund fürchtete sich nicht, denn er mochte alle Menschen! Er war voll Kummer, denn er wusste immer noch nicht, was Furcht ist. An einem anderen Tag besuchte er einen Tierarzt, aber der Tierarzt war freundlich und streichelte ihn. Er mochte den Tierarzt, doch er wollte doch gern wissen , was nun Furcht ist. Da kam seine Adoptivmama mit dem Staubsauger und da….hatte er auch keine Angst. Ein Bud hat vor nichts Angst!

Der Dackel in der schläfrigen Schlucht

Es war einmal ein Dackel, der ging oft Gassi in einem kleinen beschaulichen Dorf, in dem viele Legenden erzählt wurden. Eine der vielen Sagen drehte sich um einen kopflosen Hund, der seinen Kopf am Halsband in seinem Maul trug und in der Halloweennacht sein Unwesen im Wald vor dem Dorf triebe. Diese Geschichte wurde ihm in genau dieser Nacht erzählt, als er in einer Kneipe den Abend bei einem Schinkenknochen ausklingen ließ. Dem Dackel war das egal, er war furchtlos. Er hatte außerdem gerade ein Auge auf die Dorfschönheit geworfen, eine Kaninchendackeldame aus gutem Hause. Um sie buhlte bereits ein anderer Rüde, ein großer Labrador, der ihm auch die besagte Legende vorgetragen hatte.  Es wurde spät und der Dackel hatte Lust, nachhaus in sein Bett zurückzukehren. Auf dem Weg dahin musste er den finsteren Wald durchqueren, als ihm die Geschichte wieder in den Sinn kam. Er schnaubte verächtlich, denn er war kein Weichei. Als er gerade die Mitte des Waldes erreicht hatte, bemerkte er einen anderen Hund, der einen brennenden Kürbiskopf im Maul trug und schnell näher kam. Doch das war dem Dackel egal, wieso sollte er denn auch Angst vor Gemüse haben? Er lief schwanzwedelnd und fröhlich nachhause, wo bereits seine kleine Kaninchendackeldame auf ihn wartete.

Der Dackel und der Rabe

Einst, um eine Mittnacht graulich, da mit den Zähnchen bearbeitete ich genüsslich  
Voller Appetit über manchem alten Schinkenknochen,
da der Appetit schon kam gekrochen, scholl
auf einmal leis ein Pochen,
gleichwie wenn ein Fingerknochen pochte, von der Türe her.
"'s ist die dämliche Katze wohl", murrt' ich, "was da pocht so dämmlich zu mir her -
 das allein - nichts weiter mehr."
Ah, ich kann's genau bestimmen:
 im Dezember war's, dem grimmen,
und der Kohlen matt Verglimmen schuf
ein Geisterlicht so leer.
Brünstig wünscht' ich mir die Morgenstund;
 - dann gabs Frühstück in den Dackelschlund,
auf das mein Bäuchlein selig wär,
auf das mein Bäuchlein selig wär.
Augenblicklich musst ich sabbern,
und so sprach ich unbefangen:
"Gleich, du Flohschleuder von Katze, 
 nimm runter endlich deine Tatze, 
just ein Nickerchen ich machte, und dein
Klopfen klang so sachte,
dass ich kaum davon erwachte, sachte von
der Türe her -
doch nun tretet ein!" - und damit riß weit auf die Tür ich - leer!
Dunkel dort - nichts weiter mehr.


Tief ins Dunkel schnüffelte ich lange, zweifelnd, wieder seltsam bange,
Träume träumend, wie kein Dackelhirn
sie träumte je vorher;
doch die Stille gab kein Zeichen; nur ein
 Wort ließ hin sie streichen
durch die Nacht, das mich erbleichen ließ:
das Wort "Frühstück?" so schwer -
selber sprach ich's, und ein Echo murmelte's zurück so schwer: nur "Frühstück!" - nichts weiter mehr.
Da ich nun zurück mich wandte und mein Magen vor Leere brannte,
hört' ich abermals ein Pochen, etwas lauter denn vorher.
"Ah, gewiß", so sprach ich bitter, "liegt's an
meinem Fenstergitter;
Schaden tat ihm das Anknabbern jüngst - ja,
so ich's mir erklär', -
schweig denn still, mein Herze, lass mich
nachsehn, dass ich's mir erklär!: -
 's ist der Wind - nichts weiter mehr!"


Auf warf ich das Fenstergatter, als herein
mit viel Geflatter
schritt ein appetitlich riechender Rabe wie aus Sagenzeiten her;
Grüßen lag ihm nicht im Sinne; keinen Blick lang hielt er inne;
mit hochherrschaftlicher Miene flog empor zur Türe 
er setzt' sich auf die Teckel-Büste überm Türgesims dort -
er  flog und saß - nichts weiter mehr.
Doch dies ebenholzne Wesen ließ mein
Verwundern rasch genesen,
ließ mich lächelnd ob der Miene, die es
 macht' so ernst und hehr;
"Ward dir auch keine Rute zur Gabe",
 sprach ich, "so doch stolz Gehabe,
grauslich grimmer alter Rabe, Wanderer
aus nächtger Sphär' -
sag, welch hohen Namen gab man dir in
Plutos nächtger Sphär'?"
Sprach der Rabe "Nimmermehr."

Doch der droben einsam ragte und dies
eine Wort nur sagte,
gleich als schütte seine Seele aus in diesem
 Worte er,
keine Silbe sonst entriss sich seinem düstren Innern, bis ich
seufzte: "Mancher Knochen verließ mich
 früher schon ohne den Verzehr -
morgen wird er mich verlassen, wie mein Knochen  - ohn' Wiederkehr."
Doch da sprach er, "Nimmermehr!"
Einen Augenblick erblassend ob der Antwort, die so passend,
sagt' ich, "Fraglos ist dies alles, was das
 Viecht gelernt bisher:
's war bei einem Herrn in Pflege, den so tief
    des Schicksals Schläge
trafen, daß all seine Wege schloss dies eine
  Wort so schwer -
dass all seiner Hoffnung Lieder als Refrain
beschloss so schwer
dies "Nimmer - nimmermehr."


Doch an welches Happi ich auch dachte, dieses
 Tier mich hungrig machte,
immer noch, und also rollt' ich stracks mir
 einen Sessel her
und ließ die Gedanken fliehen, reihte wilde Theorien,
Phantasie an Phantasien: wie's wohl zu
 fressen wär' -
wie dies fette, schmackhafte Wesen zu fangen und zu fressen wär'
wenn es krächzte "Nimmermehr."
Und der Rabe rührt' sich nimmer, sitzt
zu weit oben, sitzt noch immer
auf der bleichen Teckel-Büste überm Tür-
 sims wie vorher;
und in seinen Augenhöhlen eines Dämons
Träume schwelen,
und das Licht wirft seinen scheelen Schatten 
auf den Estrich schwer;
und es hebt sich aus dem Schatten auf dem
 Estrich dumpf und schwer
meine Mahlzeit - nimmermehr.


Da wurde es mir plötzlich klar,
was des Rabens Grund wohl war,
dass er dort in der Ecke blieb
und was ihn überhaupt zu mir trieb.
"Freund",sprach ich voller Tatendrang
"War es deines Magens Zwang?
Verlorst auch Du dein Abendmahl,
bereitet dir der Hunger Qual?"
Der Rabe und ich zogen hinaus in die Nacht
und haben dort zusammen Happi gemacht.
Die Geschichte ist aus, dort läuft eine Maus
-oh nein, Lucy hat sie gefressen!

-Buddy Allan Poe

grusel dackel

In diesem Sinne, ein angenehmes Gruseln!
Euer Buddy.