Der Mann im Haus- Ein Rüde allein unter Weibern

 Mein Papa ist ein Angler.

Das bedeutet, er geht mit seiner Angel früh los und kommt abends mit einem Fisch zurück, der dann, wenn wir Glück haben, direkt im Napf landet. Balduins Papa ist auch ein Angler. Deswegen gehen die beiden oft zusammen angeln. (Verständlich, im Rudel jagt es sich besser.) Manchmal sind sie an Gewässern hier in der Nähe, aber ein guter Jäger ist natürlich auch bereit, weiter weg sein Glück zu versuchen und deswegen sind mein Onkel Felix und mein Papa verreist. Ohne uns. Wir bleiben bei Mama. Was bedeutet, ich bin gerade der Mann im Haus!

Tag Eins

Soweit alles im Griff. Das Weiberpack krault mir den Bauch, alles in bester Ordnung. Habe aber ja auch Balduin zur Verstärkung. Wir vertreiben uns die Zeit damit, miteinander zu spielen, die Mamas gucken fern und basteln.

Ich habe jetzt nachgezählt. Wir sind zwei Männer (Balduin und ich) und  sechs Frauen (die Mamas, Lucy, Kyra und die beiden Axolotldamen im Aquarium) , sowie eine unbestimmte Anzahl an Fischen, deren Geschlecht keiner weiß. Langsam wird es Zeit für einen Männerbeauftragten.

Mamas Gebastel stellte sich als die Fertigung von Hundehalstüchern heraus. Aaah! Eh ichs begriff, hatte ich es schon um. Weder Lucy noch mein Bruder bleiben verschont, zumindest ist meins nicht so rosa wie das von Lucy.

Es war ein harter Tag für mich. Aber ich denke ich war tapfer.

Tag Zwei

Der zweite Tag brach an und wir machten ein Frühstückspicknick auf der Wiese. Ich bekam Ärger, als ich Lucys Bein in meiner Schleppleine verhedderte und sie mit mir riss, als ich weiterpreschte. Lucy schrie. Mama schrie. Alle waren erschrocken und sauer auf mich. Zum Glück ist Lucy aber nichts passiert, sonst hätte ich bestimmt gleich Beziehungsstress mit ihr gehabt. Ihr gings dann aber wieder gut und sie spielte schon bald darauf wieder Fange mit Baldi. Ein Bad im Bach kühlte uns ab. Danach musste Balduin dann aber schon wieder heim und ich war allein mit all dem Frauenvolk. Mama hat sich mit Finns Frauchen verschworen, jetzt kriegt er auch so ein Halsband. Balduin, Finn und ich laufen dann im Partnerlook herum. Ich schätze, wir sind jetzt eine Gang.

Tag Drei

So langsam fehlt mir Papa wirklich. Bei jedem Garagentor, das vor unserem Haus geöffnet wird, stehe ich an der Haustür, bereit zur Begrüßung, aber keiner kommt. Lucy und Mama vermissen ihn auch, aber sie haben zumindest nicht die Verantwortung, der Mann im Haus zu sein. Die Last auf meinen kleinen Schultern ist schwer, aber Papa kommt ja morgen endlich wieder. Bis dahin übe ich bei jedem Garagentorgeräusch meinen Freudentanz.

Tag Vier

Der vierte Tag als einziger Vertreter meines Geschlechts begann mit strahlendem Sonnenschein. Mama freute sich auf Papa und wir freuten uns, weil wir spürten, dass sie sich freute. Morgens trainierten wir ein bisschen, Lucy übte mit Mama „Stop!“ und wir übten weiter ein bisschen das Einparken.

Zuhause verfiel Mama (typisch Weiber) in einen Putzfimmel, musste ja alles ordentlich sein, wenn Papa heimkommt. Und danach warteten wir. Und warteten.

Zu schnell für eine Kamera
Zu schnell für eine Kamera

Dann war er plötzlich wieder da! Vor lauter Freude rasten wir hin und her und um ihn herum und flippten fast aus. Ich glaube, er hat sich auch gefreut.

Jetzt obliegt ihm wieder die Bürde, der Mann im Haus zu sein. Und ich habe endlich wieder Zeit , mir neuen Blödsinn auszudenken.

Übrigens waren Onkel Felix und Papa erfolgreich. Und Gefrierschrank ist randvoll mit Fisch. Ein paar große Fischlein für die verfressenen Menschlinge und ganz viele Mittelgroße für uns. Lecker!

Mhhh ,  frischer Fisch!

Lucy, die Lady

In den letzten Tagen hat sich Lucy verändert. Zuerst war sie immer gemein zu mir und hat bei jeder Gelegenheit geknurrt und schnappte nach mir und biss mir sogar in den Piepmatz! Und dann wurde sie läufig. Mama hatte schon davon geredet, dass ich dann in den Urlaub fahren würde zu Sina oder Bruno, aber ich verstand gar nicht, wieso ich denn Urlaub machen sollte. Lucy interessierte mich nicht die Bohne, ich schubste sie wie immer herum und wollte spielen und alles war wie immer, nur, dass sie zickiger war als sonst und ständig oben bei Mama kuscheln wollte.  Und weil Mama gerade Semesterferien hatte, konnten wir alle zusammen bleiben. Sie ließ Lucy nie alleine, sie schleppte sie immer mit sich herum. Ich fand das doof, ich wollte auch mal hoch und kuscheln! Mama ging dann zur Ablenkung mit uns viel raus, wir verbrachten Stunden im Wald und ich fand es super. Wir machten auch mit Papa noch tolle Ausflüge, dazu später. Meinen Bruder durfte ich in dieser Zeit nicht sehen, weil er sich schon für Mädchen interessiert und das mit Lucy ja nicht geht. Mädchen sind doof!

Als die Läufigkeit endlich vorbei war, war sie dann wieder netter zu mir und nicht mehr so eine Zicke.  Keiner war so erleichtert darüber wie ich! Jetzt kuscheln wir auch wieder zusammen, ohne dass Mama Angst haben muss.