Mitternachtssnack

Gerade ist für mich keine leichte Zeit. Überall duften verheißungsvolle Markierungen von Hündinnen und ich, als junger Rüde, bin sehr davon fasziniert. Das äußert sich in abendlicher Unruhe. Ich trampel rastlos durch das Bett und jammere dabei etwas. Die fiesen Zweibeiner ignorieren mich jedoch jedes Mal und ich muss die ganze Nacht warten, bis ich endlich wieder an den Duftmarken schnüffeln kann. 

Gestern Abend hatte ich jedoch Glück. Wir lagen alle schon im Bett, das Abendessen war gefressen, die Menschlinge hatten schon ihre bequemeren Klamotten an und das Licht war aus. Alle außer mir lagen schon eingekuschelt, nur ich drehte meine Kreise über und unter der Bettdecke. Lucy war ziemlich genervt. „Bud, ich brauche meinen Schönheitsschlaf! Leg dich endlich hin!“ „Lucy, du verstehst das nicht. Ich muss raus und schnüffeln!“ Ich weinte ein bisschen vor mich hin. Lucy seufzte. „Gut, ich helfe dir, aber danach bist du ruhig!“ Lucy kletterte zu Mamas Kopf und begann daran zu lecken. Keine Reaktion. Lucy sprang aus dem Bett und wartete. Mama fuhr hoch, war gerade erst am Einschlafen gewesen und von dem Plumpsgeräusch hochgeschreckt worden. So einen Reflex haben wahrscheinlich alle Hundeeltern bei Spring-, Würg- und anderen verdächtigen Geräuschen. 

Lucys Plan ging auf, wir wurden angeleint und der verpeilte Menschling schleppte uns nach draußen. Endlich! Ich konnte gemütlich schnüffeln und einige Nasen voll betörenden Hündinnenduft aufsaugen. Lucy machte, unserer Tarnung wegen, schnell ein kleines Häufchen. Mama, klappernd in ihrer Pyjamahose, klaubte das Dackelgold auf und steuerte die Mülltonnen an. Dort parkte auch das Auto des Kochs, der ja mein Kumpel ist. Ich begann zu wedeln, als ich auch ihn persönlich entdeckte. Wie immer, wenn wir uns sahen, bekam ich meinen Krauler. „Wartet mal“, sagte der Koch, „Ich habe heute mal Leckerlies für eure Größe dabei.“ Lucys Augen wurden groß wie zwei Mühlenräder. Tatsächlich hatte mein Freund Kekse dabei, die wir glücklich futterten. Lucy war total auf die Kekse konzentriert, ich musste zwischendrin noch freudig herumspringen.

 Als wir dann wieder nach Drinnen gingen, sagte Lucy: „Du hattest vollkommen recht, ab jetzt machen wir das jeden Abend!“

Verfolgungsjagd mit einer Oma

Folgende Begebenheit trug sich vor ein paar Stunden zu. Papa wollte ein Paket verschicken, aber da er Mamas Grippebazillen abbekommen hat, sind wir für ihn zur Post gegangen. Lucy und ich waren schon oft mit auf der Post und finden es eher durchschnittlich interessant, warten ist ja nicht gerade die Lieblingsbeschäftigung eines ungeduldigen jungen Dackels. Also wappneten wir uns für unsere Mission und los ging es in das Zentrum unserer Kleinstadt! Der Hinweg verlief eher unspektakulär und auch die Abgabe unseres Pakets ging ziemlich schnell, da gerade kaum Betrieb gewesen war, immerhin war es kurz vor der Mittagspause der Postfiliale, weshalb wir uns auch etwas beeilt hatten.

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Nun aber konnten wir entspannt zurück nach Hause schlendern und Mama dachte sich, sie könnte nebenbei ein bisschen Pokemon Go spielen. (Dieses Spiel hatte im Sommer bereits zu ausgedehnten Spaziergängen auf unbekannten Wegen geführt. Da es auf unserer normalen Gassistrecke keine Taschenmonster gibt und Mama sich dann eh lieber mit uns beschäftigt, nutzt sie gern die Gelegenheit, wenn sie schon mal in der Stadt ist.) Also schaute sie kurz auf ihr Handy, schaute wieder hoch und sah sie kommen: Die Rentnerin. Begleitet von einem flauschigen Etwas an der klassischen Flexileine tippelte die alte Lady genau auf uns zu. Sie kam aus der Richtung, in die wir eigentlich laufen mussten, wenn wir heim wollten. Mamas Hunderadar analysierte: feminimes Halsband, könnte eine Hündin sein. Nun hatte mich bereits der Duft der fremden Hundedame getroffen und ich begann gleich lauthals zu gurren und an der Leine zu ziehen, denn der süße Dunst der Liebe hatte mein Rüdenhirn vollkommen umwölkt. Das läufige kleine Flauschebällchen hatte nun auch mich wahrgenommen, ich meine, MICH! Rüde! Jung! Attraktiv! Sie begann ebenfalls Liebeslieder vorzutragen und legte sich in die Flexileine, die ein ganzes Stück ausrollte, bevor der unbarmherzige Daumen der alten Dame meine potentielle neue Ehefrau zum abrupten Anhalten zwang. Mama hatte sich mittlerweile von Pokemon zu Rückzugsort suchen umentschieden und führte uns in die entgegengesetzte Richtung, fort von unserer eigentlich geplanten Route und auch von meiner wundervollen Perle. Ich gurrte ein wenig leiser und versuchte mich umzudrehen und ihr zuzuzwinkern, aber Mama holte mich immer wieder zurück auf Kurs und eröffnete mir, was mit meinen Eierchen passieren würde, wenn ich mich aufführte wie ein Romeo. (Und das verstörte wahrscheinlich den ein oder anderen Passanten, der in unserer Hörweite herumlief.)

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Wir liefen hinter der Post entlang, zurück in unsere heimatliche Richtung. Auf diesem Weg läuft man gemütlich einen gemauerten Weg direkt am Kanal entlang. Im Sommer keine gute Idee, aber jetzt noch erträglich im Geruch. Und da war sie wieder. Die Oma mit der flauschigen heißen Hundedame war ebenfalls hinter der Post entlang gelaufen, nur auf der anderen Seite und zwar erneut direkt auf uns zu! Ich begann sofort wieder zu zirpen und unruhig herumzutanzen. Doch Mama war nicht einverstanden mit meinen Hochzeitsplänen und flüchtete mit uns über eine Brücke über dem Kanal, so dass nun zwischen der Oma, der läufigen Hündin und uns der Kanal lag. Wir liefen also an dem anderen Hunde-Mensch-Paar vorbei und schickten uns an, wieder auf die normale Strecke zu lenken, als wir entdeckten, dass die alte Frau plötzlich die Richtung gewechselt hatte und nun hinter uns herlief! Ich freute mich, Mama eher nicht, denn ich begann gleich wieder, meine Liebesschwüre zu brüllen. Die läufige Hündin versuchte, gegen die Flexileine anzukämpfen, der Daumen schien aber wieder auf den Stoppknopf zu drücken. Mama reichte es nun allerdings endgültig und bevor ich wusste, was geschah, bugsierte sie mich eine Seitenstraße entlang.

Wir liefen einen ziemlichen Umweg nach Hause, aber hatten unsere Verfolger nun abgehängt. Ich fand es schade, die kleine Flauschige fand ich echt spannend. Warum sie und ihr Frauchen ausgerechnet immer wieder hinter uns herlaufen mussten, wussten wir nicht, Fakt ist jedoch, dass nicht nur die Rüden die Damen in ihrer Läufigkeit bedrängen können, sondern offenbar auch umgekehrt!

Der Mann im Haus- Ein Rüde allein unter Weibern

 Mein Papa ist ein Angler.

Das bedeutet, er geht mit seiner Angel früh los und kommt abends mit einem Fisch zurück, der dann, wenn wir Glück haben, direkt im Napf landet. Balduins Papa ist auch ein Angler. Deswegen gehen die beiden oft zusammen angeln. (Verständlich, im Rudel jagt es sich besser.) Manchmal sind sie an Gewässern hier in der Nähe, aber ein guter Jäger ist natürlich auch bereit, weiter weg sein Glück zu versuchen und deswegen sind mein Onkel Felix und mein Papa verreist. Ohne uns. Wir bleiben bei Mama. Was bedeutet, ich bin gerade der Mann im Haus!

Tag Eins

Soweit alles im Griff. Das Weiberpack krault mir den Bauch, alles in bester Ordnung. Habe aber ja auch Balduin zur Verstärkung. Wir vertreiben uns die Zeit damit, miteinander zu spielen, die Mamas gucken fern und basteln.

Ich habe jetzt nachgezählt. Wir sind zwei Männer (Balduin und ich) und  sechs Frauen (die Mamas, Lucy, Kyra und die beiden Axolotldamen im Aquarium) , sowie eine unbestimmte Anzahl an Fischen, deren Geschlecht keiner weiß. Langsam wird es Zeit für einen Männerbeauftragten.

Mamas Gebastel stellte sich als die Fertigung von Hundehalstüchern heraus. Aaah! Eh ichs begriff, hatte ich es schon um. Weder Lucy noch mein Bruder bleiben verschont, zumindest ist meins nicht so rosa wie das von Lucy.

Es war ein harter Tag für mich. Aber ich denke ich war tapfer.

Tag Zwei

Der zweite Tag brach an und wir machten ein Frühstückspicknick auf der Wiese. Ich bekam Ärger, als ich Lucys Bein in meiner Schleppleine verhedderte und sie mit mir riss, als ich weiterpreschte. Lucy schrie. Mama schrie. Alle waren erschrocken und sauer auf mich. Zum Glück ist Lucy aber nichts passiert, sonst hätte ich bestimmt gleich Beziehungsstress mit ihr gehabt. Ihr gings dann aber wieder gut und sie spielte schon bald darauf wieder Fange mit Baldi. Ein Bad im Bach kühlte uns ab. Danach musste Balduin dann aber schon wieder heim und ich war allein mit all dem Frauenvolk. Mama hat sich mit Finns Frauchen verschworen, jetzt kriegt er auch so ein Halsband. Balduin, Finn und ich laufen dann im Partnerlook herum. Ich schätze, wir sind jetzt eine Gang.

Tag Drei

So langsam fehlt mir Papa wirklich. Bei jedem Garagentor, das vor unserem Haus geöffnet wird, stehe ich an der Haustür, bereit zur Begrüßung, aber keiner kommt. Lucy und Mama vermissen ihn auch, aber sie haben zumindest nicht die Verantwortung, der Mann im Haus zu sein. Die Last auf meinen kleinen Schultern ist schwer, aber Papa kommt ja morgen endlich wieder. Bis dahin übe ich bei jedem Garagentorgeräusch meinen Freudentanz.

Tag Vier

Der vierte Tag als einziger Vertreter meines Geschlechts begann mit strahlendem Sonnenschein. Mama freute sich auf Papa und wir freuten uns, weil wir spürten, dass sie sich freute. Morgens trainierten wir ein bisschen, Lucy übte mit Mama „Stop!“ und wir übten weiter ein bisschen das Einparken.

Zuhause verfiel Mama (typisch Weiber) in einen Putzfimmel, musste ja alles ordentlich sein, wenn Papa heimkommt. Und danach warteten wir. Und warteten.

Zu schnell für eine Kamera
Zu schnell für eine Kamera

Dann war er plötzlich wieder da! Vor lauter Freude rasten wir hin und her und um ihn herum und flippten fast aus. Ich glaube, er hat sich auch gefreut.

Jetzt obliegt ihm wieder die Bürde, der Mann im Haus zu sein. Und ich habe endlich wieder Zeit , mir neuen Blödsinn auszudenken.

Übrigens waren Onkel Felix und Papa erfolgreich. Und Gefrierschrank ist randvoll mit Fisch. Ein paar große Fischlein für die verfressenen Menschlinge und ganz viele Mittelgroße für uns. Lecker!

Mhhh ,  frischer Fisch!

Männer-/ Rüdentag

Kürzlich war Männertag und als jemand, der wirklich gern das Beinchen hebt, habe ich diesen Tag natürlich gebührend gefeiert.

Mein Bruder durfte natürlich nicht fehlen und so reiste er mit seinen Eltern am Vorabend an. Am nächsten Morgen ging es früh raus, weil unsere Papas zum Angeln fuhren. Wir Dackel spielten ausgelassen miteinander.

Eigentlich hätten wir eine Waldwanderung machen können, aber zum einen waren an diesem Tag viele betrunkene Männer unterwegs und andererseits gings Mama nicht so gut. Aber an diesem warmen Tag hatten wir auch auf unserer Wiese Spaß beim Schnüffeln, Herumtollen und Buddeln. Wir waren so erledigt danach!

Zuhause mussten wir dann erstmal ein Nickerchen machen. Bald darauf konnte Tante Heidi auch unsere Papas abholen. Sie brachten Fisch mit! Damit war unser Abendessen gesichert und der Fisch hat uns toll geschmeckt!

Leider ging es Mama dann immer schlechter und die Tage danach verbrachten wir größtenteils am Krankenbett. Arme schwächliche Menschlinge. Aber wir päppeln sie schon wieder auf!

P.S.: Es ist jetzt Mai! Damit sind wir das Motiv im Dackelkalender!