Der Bud und der Menschenwelpe

Das ganze Jahr schon hatte sich meine Mama vorgenommen, endlich mal wieder ihre Freundin Steph zu treffen, doch irgendwie hatte es nie geklappt- bis jetzt! Und da Steph’s kleiner Sohn (HALLO ERIK!) Hunde liebt und ich ein sehr cooler, chilliger Zeitgenosse bin, wurde für uns beide kurzerhand ein Spiel-Date arrangiert.

So kam es, dass Frauchen und ich in aller Herrgottsfrühe (gemessen nach Studenten-und-Hunde-Zeitgefühl) zum Zug tingelten. Nur wir beide, weil Lucy Kinder unheimlich findet.  Ich wusste natürlich noch nichts von meinem Glück, jedoch hatte ich mit klugen Augen verfolgt, wie der prall gefüllte Leckerliebeutel eingepackt worden war. Am Bahnhof angekommen stiegen wir direkt in den nächsten Zug. Dieser war schon fast ein Relikt aus alter Zeit, die Türen wurden noch mit der Hand aufgeklappt und er klapperte und krachte während der Fahrt, als würde er in der nächsten Kurve auseinanderfallen. Natürlich hatte ich keine Angst, bin ja nicht so eine Memme wie mein Menschling. Trotzdem schaute ich bei jedem Scheppern erstmal hoch wie eine Eule und analysierte die Situation.

Der Bahnhof Nr. 2 war… anders. Er war der gigantischste Bahnhof, den ich je in meinem Dackelleben gesehen hatte! Doch bevor ich auch nur die Chance gehabt hätte, ihn eingehend zu erkunden, standen wir auch schon vor Mamas ältester und bester Freundin, die sie kennt, seit sie selbst noch ein Welpe war: Tante Steph!  Nach einer freudigen Begrüßung geleitete uns Steph in einem Abenteuermobil zu ihrem Zuhause und dort erwartete mich die eigentliche Überraschung!

Dass Menschlinge manchmal winzigere Menschlinge mit sich herumschleppen, habe ich schon häufig beobachtet. Ich wusste auch, dass es Menschlinge in sämtlichen Größen und Formen gibt. Allerdings habe ich noch nie, wirklich noch nie, einen Menschenwelpen vom Nahen gesehen und schon gar nicht mit einem gespielt. Als sich die Tür öffnete, stand dort Steph’s Welpe und wir schauten uns gegenseitig erstmal verdutzt an.

dackel kind kinder baby

Dann begrüßte ich erstmal meinen Onkel Hendrik mit vielen Sabberküssen, bevor ich mich dem kleinen schüchternen Menschling zuwandte. Dieser war immer noch total fasziniert von mir. (Logo. Bin ja auch ein faszinierendes Geschöpf, ne?) Mama, diese Poserin, dachte sich, dass ein paar coole Tricks vielleicht das Eis brechen könnten und spätestens nach dem Kriech ging der Plan auf. Wir begannen vorsichtig miteinander zu spielen. Für den Anfang war ich mir etwas unsicher, wie man denn mit einem Menschling spielt, der, wenn ich Männchen mache, so groß ist wie ich. Der Menschenwelpe war sehr gelehrig und verstand sehr schnell, dass die Leckerlies aus unserem Beutel eine wichtige Rolle spielten. Er hatte viel Freude daran, die winzigen Kekse mit seinen ebenso winzigen Fingern in mein Maul zu stecken und ich wartete geduldig, um die Kekse huldvoll wie die Königin von England entgegenzunehmen.

Außerdem besaß der Kleine Fähigkeiten, die meine Superkräfte  (Essen klauen) perfekt ergänzten: Er konnte die Kühlschranktür öffnen. Gemeinsam könnten wir sicher viel erreichen und mit „viel“ meine ich Essen. Wir halfen uns auch gegenseitig beim Mittagessen, er reichte mir von seinem Kinderstühlchen aus Futter und ich frass es auf. Von allen Seiten regnete es leckere Häppchen und da Lucy nicht dabei war, war es meine alleinige Verantwortung, alles ordnungsgemäß zu vertilgen. Der Minimensch hatte auch ein eigenes Körbchen, wie meine Box Zuhause! Gemeinsam machten wir es uns bequem und ich befand, dass dies ein guter Stützpunkt für einen Superschurken und seinen Sidekick sein könnte.

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„Okay, Robin. Wo bringen wir jetzt unser Bat- Moment!- das BUD-Mobil unter?“

Wir spielten den ganzen Tag und gingen auch alle gemeinsam Gassi. Ich hatte Chemnitz schon für groß gehalten, doch hier war die echte Großstadt. Also, jetzt nicht nur aus Dorfkind-Perspektive, sondern wirklich-wirklich. Ich bekam danach weitere köstliche Leckerbissen und zeigte dem Menschenwelpen, wie man Rolle Rolle macht. Was soll ich sagen, er war echt ein Naturtalent.

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Irgendwann jedoch war es Zeit zu gehen und Lucy absolut neidisch zu machen, wenn sie riechen würde, was ich alles gefressen hatte. Damit mein kleiner Kumpel nicht zu traurig ist, ließen wir ihm einen Bud aus Plüsch da. Onkel und Tante brachten uns dann noch zum Zug und ich genehmigte mir, kaum im Zug angekommen, erstmal ein Schläfchen. Es war total cool und ich freue mich, dass ich da sein durfte! Ich hoffe, ich darf bald wieder mit meinem neuen Bro Erik spielen und kann das mit dem Kühlschrank perfektionieren. 😉

mew steph bud everyone loves the wienerdogbud

Jeder liebt den Bud – auch, wenn er aus Stoff ist. 🙂

Die Reise zum Mittelpunkt der Kuh

Ist der Bud geschmolzen?!

… Berechtigte Frage. Aber nein. Ich bin nur sowas von k.o.! Aber um euch das zu erklären, muss ich ganz von vorn anfangen: Nämlich bei Finns Maul.

Mein Kumpel Finn, der olle Hipster, isst nämlich kein Gluten. Aber er hat gute Gründe dafür, denn er ist dagegen allergisch und bekommt dann immer Ohrenentzündung. Jedenfalls hat er dieses Mal auch mit seinem Blättermagen Probleme gehabt und Finns Mama hat uns diesen heute vermacht. (Danke, Finns-Mama! ❤ )

Finn lebt in der Stadt, in der unsere Zweibeiner zusammen studieren, für uns Kurzbeiner eine ziemliche Weltreise! Die halbe Stunde bis zu unserem Bahnhof war ja eigentlich kein Ding, sind wir damals beim Praktikum ja fast jeden Tag gelaufen.

Aber vom Bahnhof Nr. 2 dann bis zu Finn war es laut Google eine Dreiviertelstunde! Im Sommer! In der Wärme! Durch die Großstadt!!! (Anmerkung der Redaktion: Okay, okay. Es ist eigentlich eine eher kleine Großstadt, aber für unsere Verhältnisse riesig. Ich weiß nicht, wie Balduin das in Leipzig gemacht hat. Soviel wie man da markieren müsste, kann man in drei Leben nicht trinken. Wie machen das Großstadthunde? Habt ihr mehrere Blasen??) Meine Mama war dann jedenfalls ziemlich nervös und hat Lucy dann einfach in den Rucksack gestopft und diesen verkehrt herum aufgesetzt. (Vorm Bauch, nicht auf dem Kopf stehend, du Depp.) Lucy fand es cool nicht laufen zu müssen und schaute als Kängurubaby aus dem Rucksack. Mama hatte nun eine Hand für das Google-Navi frei  (Jap. Wir haben Finns Zuhause nur dank des Navis gefunden. Wir sind Landeier.) und musste auch nur mich im Auge behalten. Durch die ganzen Fahrradfahrer, Kinderwägen und Fußgänger war das auch nur mit einem Hund ziemlich anstrengend. Für mich ebenso, ich witterte so viele Gerüche, dass meine Nase quasi doppelt so groß war wie zuvor! Viele Passanten, vorwiegend Omis, waren hell begeistert von Känguru-Lucy, aber wir wurden auch zweimal ganz schön angekläfft von knallharten Stadthunden. (Kann ich gut verstehen. Wenn ich so viel markieren müsste und so ein riesiges Revier zu kontrollieren hätte, wäre ich auch gereizt. Allein nach dem Morgenpipi hätte ich Burnout.) 

But I would walk 500 miles aaand I would walk 500 more, just to be the dog that walks a thousand miles to eat all the tasty Blättermagen

Fünfundvierzig Minuten später standen wir dann vor Finns Haus. Lucy war die Einzige von uns, die noch ausgeruht war, aber wir begleiteten Finn samt Frauchen dann noch auf einen Spaziergang zum Fluss. Finn war natürlich schnell im Wasser, ich dagegen nur kurz. Buddeln war viel verlockender! Lucy hockte mit den Zweibeinerinnen auf einem Felsen am Wasser und hörte den erzlangweiligen Zweibeinergesprächen zu und ließ sich huldvoll von Finns Mama knuddeln. Irgendwann ging es dann zurück.

„Oh no, die holen das Handy raus! Los! Wir gucken jetzt alle demonstrativ weg! Plan?“ „Okeydokey!“ … „Verdammt, Fiiiinn!“ „Sorry. Konnte nicht anders. Bin ein guter Junge.“

Nachdem Finn unsere Protestaktion mit dem Foto ruiniert hatte, ging es dann zurück zu Finn nach Hause. Dort brachte uns Finns Frauchen dann noch das Fleisch. Ich war total begeistert! Da denkt man, jemand kann eigentlich gar nicht cooler werden und dann bringt er einem Fresschen! Mega! Allerdings ging es dann auch für uns Richtung Heimat und, nun ja, ihr habt es ja gesehen. Kaum von der Leine schmolz ich einfach auf dem kühlen Boden und schlief an Ort und Stelle ein. 

Auf Schnupperkurs

In unserer Straße leben viele Hunde.

Es gibt da einen kleinen Wuschligen, der immer lauthals seinen Grundbesitz bekundet, einen großen Schäferhund mit tiefer Stimme, einen alten Mann, der immer mit seinem alten Beagle spazieren geht und die nie mit uns spielen mag, ein paar Labrador Retriever, die ich alle total toll finde, ein paar Bolonkas, von denen oft ein ganzes Rudel Gassi geht und die alle laut kläffen, einen Mops namens Tyler und sogar eine Dackelhündin mit langem Fell namens Twitty.

Twittys Besitzer lernten wir kennen, als Mama und Papa gerade Gassi gingen. Er fuhr mit dem Auto vorbei, wurde immer langsamer, hielt dann an und sprang aus dem Wagen. Er kam auf uns zu und fragte zwischen ein paar Ach Gott, nee, ach Gott, ach Gott’s, ob er denn mal streicheln dürften. Mama war ein bisschen erschrocken, aber zum Glück war Papa dabei, der uns alle beschützen kann und der nahm es mit Humor. Der Mann erklärte dann, dass er selbst ein Dackelbesitzer ist und Dackel über alles liebt. Verständlich, nicht wahr? Immer, wenn wir ihn in Zukunft trafen, streichelte er uns und freute sich. Ich werde gern gestreichelt. Wir haben auch schon Kinder getroffen, die auch ganz artig gefragt haben, ob sie uns streicheln dürften. Weil wir uns brav benommen haben, wurden wir gelobt. Ich finde Kinder super! Ich finde eigentlich alles super. Meine Mama sagt, das ist so, weil ich ein Superheld bin.

Wir haben auch einen Ausflug zum Wald gemacht.

Die ganze Strecke war für uns noch zu lang, darum sind wir einen Teil des Weges getragen worden. Im Wald selbst durften wir dann laufen und schnüffeln, das war super!

Es roch nach Laub und ich bin davon überzeugt, auch ein Eichhörnchen gerochen zu haben, aber dann mussten wir auch wieder heim. Ich habe mich zuhause dann gleich auf meinen Papa gekuschelt und ein Nickerchen gemacht.